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Wolf und Mensch

Die Ausbreitung des Wolfes in Niedersachsen wird durch das Wolfsmonitoringprogramm und die Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) der Landesjägerschaft Niedersachsen detailliert begleitet. Mit der WTE in Niedersachsen werden seit 1991 jährlich die Besätze und die Jagdstrecken verschiedener Wildarten in den Revieren (=Jagdbezirke) erfasst. Rotwildvorkommen als Stand- und Wechselwild existieren in erster Linie in der Lüneburger Heide, Harz und Solling (Gräber 2016).

Darüber hinaus werden in der WTE regelmäßig aktuelle Themen zu Bejagungsaktivitäten, zum Meinungsbild der Jäger oder zu Themen des „human dimension“ abgefragt. An WTE beteiligen sich seit 1991 regelmäßig zwischen 80-90% der privaten und fiskalischen Reviere, 2015 lag die Beteiligung bei 84% (= 7734 Reviere). Aufgrund der hohen Beteiligungsrate sind Aussagen flächendeckend und für die verschiedenen Regionen in Niedersachsen möglich. Die WTE ist ein Beispiel für Citizen Science (Bürgerwissenschaften) (Aceves-Bueno et al. 2015). Der Begriff Citizen Science wird bei Projekten, die unter Mithilfe oder komplett von interessierten/geschulten Laien durchgeführt werden, verwendet.

Es werden die subjektiven Einschätzungen der Jäger zum Einfluss des Wolfes auf das Rotwild (Cervus elaphus) im Rahmen der flächendeckenden WTE analysiert.

In den Jahren 2014-2016 wurden in der WTE Angaben zum Vorkommen von Wölfen (kein Vorkommen, vereinzelt, regelmäßig, keine Angabe) bei den Revierinhabern abgefragt. Die Daten zum Wolf in der WTE werden ergänzend zu dem detaillierten offiziellen Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft Niedersachsen erhoben und sollen dieses Monitoring nicht ersetzten. Neben den Abfragen zum Vorkommen wird bei der WTE auch das Meinungsbild der Jäger zu verschiedenen vermeintlich beobachteten Effekten des Wolfes auf das Vorkommen und das Verhalten des Rotwildes abgefragt. Für die vorliegende Untersuchung wurden nur die folgenden Fragen ausgewertet: „Wie stimmen sie den folgenden Aussagen zu: (Kategorien: gar nicht, wenig, teilweise, sehr, voll)

In meinem Revier….

·         beobachte in zunehmend Großrudel (>20) beim Rotwild

·         ist das Rotwild auch tagvertraut

·         nimmt der Anteil der nicht führenden Alttiere im Herbst zu

Im Frühjahr 2015 wurden in 1785 Revieren das Vorkommen von Wölfen vornehmlich in der Norddeutschen Tiefebene gemeldet. Diese Angaben decken sich sehr stark mit den Meldungen aus dem offiziellen Wolfsmonitoring. Das Hauptvorkommen von Wölfen in Niedersachsen umfasste 2015 die Naturregion Lüneburger Heide und Altmark (LH). In dieser Region lebten in 2015 7 Rudel, 1 Paar und 1 Einzeltier (Habbe 2016). In dieser Region meldeten 15% der Revierinhaber ein regelmäßiges Wolfsvorkommen.

Die Rotwildvorkommen in Niedersachsen konzentrieren sich in drei Regionen Harz, Solling und dem Großraum Lüneburger Heide. In der Naturregion Lüneburger Heide und Altmark kamen in 641 Revieren das Rotwild vor.

Für die Auswertung des Meinungsbildes der Jäger zu den Effekten des Wolfes auf das Rotwild wurde nur diese Naturregion Lüneburger Heide und Altmark (LH) berücksichtigt.  Darüber hinaus konnten aus dieser Region nur die 311 Reviere berücksichtigt werden, die ein Rotwildvorkommen hatten und sich an dieser Meinungsabfrage beteiligten. Zunehmend größere Rudel sowie kälberlose Alttiere im Herbst meldeten überwiegend die Reviere mit Wolfsvorkommen, wohingegen die Reviere ohne Wölfe keine Änderungen beobachteten. Hinsichtlich der Tagvertrautheit beim Rothirsch sind die Meinungen der Revierinhaber in Revieren mit und ohne Wolfsvorkommen sehr ähnlich.

Mit einer Teilnahme von etwa 80-90% der Jagdbezirke in Niedersachsen, stellen die Jäger eine hochmotivierte und sachkundige Gruppe für citizen science dar. Inwieweit die in dieser Studie beschriebenen Beobachtungen tatsächlich auf das Vorhandensein von Wölfen zurückzuführen ist oder durch andere Faktoren (Krankheiten, Fehleinschätzungen etc.) verursacht wird, ist Inhalt zukünftiger Fragestellungen. Die Streckenentwicklung vom Rothirsch lassen derzeit keine deutlichen Rückgänge erkennen. Da Wölfe zunehmend in den Revieren vorkommen werden, sind solche Meinungsabfragen in der zeitlichen Entwicklung in Zusammenhang mit Jagdstrecken- und Besatzdaten besonders wertvoll. Mit ihrer Hilfe kann beurteilt werden, welche Effekte großflächig auftreten und tatsächlich auf das Vorkommen der Beutegreifer zurückzuführen sind und welche Einflüsse „gefühlte“ Effekte darstellen. Beides ist jedoch entscheidend für die Akzeptanz der Beutegreifer.

Kontakt

Dr. Egbert Strauß & Dipl.-Biol. Reinhild Gräber

Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Bischofsholer Damm 15
30173 Hannover
Telefon 0511-856-7620
egbert.strauß@tiho-hannover.de

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