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Wolfsmonitoring in Niedersachsen

In unserer heutigen dicht besiedelten und intensiv genutzten Kulturlandschaft bildet ein effizientes Management die Grundlage für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben zwischen Mensch und Wildtier. Ein solches Management bedarf aber einer guten Datengrundlage, welche durch ein Monitoring erstellt wird. In Niedersachsen wird seit dem Jahr 2011 die Rückkehr der konfliktträchtigen Wildtierart Wolf (Canis lupus) durch die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) wissenschaftlich dokumentiert – die LJN wurde über eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land Niedersachsen offiziell mit dem Wolfsmonitoring in Niedersachsen beauftragt. Jäger sind durch rechtliche Bestimmungen flächendeckend verbreitet (NJagdG), haben durch ihre Nutzungsaktivität gute Kenntnisse über das örtliche Vorkommen von Wildtieren und sind im Erkennen von Wildtierhinweisen geschult und staatlich geprüft. Weiterhin haben Jäger als direkt betroffene Interessensgruppe (z.B. mögliche Erschwerung der Jagd durch Wolfspräsenz und Wolf als potentielle Gefahr für Jagdhunde (Kojola & Kuittinen 2002)) hohes Interesse an einer möglichst vollständigen und realitätsnahen Darstellung der Populationsgröße und -verbreitung der Wölfe.

Das Wolfsmonitoring in Niedersachsen wird in erster Linie passiv durchgeführt, die Meldung von Wolfshinweisen (z.B. Sichtungen, Fotofallenaufnahmen, Risse) erfolgt durch ehrenamtliche Wolfsberater, Jäger oder andere Naturnutzer. Aktive Monitoringmaßnahmen (z.B. Fotofallenmonitoring, Losungssuche) ergänzen das Monitoring und helfen das lokale Wolfsvorkommen besser zu analysieren. Das Land Niedersachsen zählt z.Z. rund 140 ehrenamtliche Wolfsberater, welche innerhalb einer mehrtägigen Schulung durch die LJN, den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und das Niedersächsische Umweltministerium (MU) im praktischen Wolfsmonitoring ausgebildet wurden. Die anschließende Dokumentation und Plausibilitätseinschätzung der Meldungen erfolgt nach bundeseinheitlichen Standards (Reinhardt et al. 2015), dies ermöglicht eine nationale Vergleichbarkeit, sowie eine wissenschaftliche Validität.

Mit anwachsender Wolfpopulation nehmen auch die Meldungen von Wolfshinweisen zu. Dabei stieg die Anzahl von 138 Meldungen im Monitoringjahr 2011/2012 auf 3015 Meldungen im Monitoringjahr 2017/2018 an. Seit Beginn des Wolfsmonitorings wurden bis zum 30. April 2018 9276 Meldungen bearbeitet, 49,67 % davon stammen von Jägern, 13,27 % von Nicht-Jägern und 37,06 % von Meldern, die anhand der vorhandenen Informationen keiner der beiden Gruppen zugeordnet werden können. Hierzu gehören nicht nur definitive Wolfsnachweise (C1-Nachweise und C2-bestätigte Hinweise), sondern auch Falschmeldungen und Meldungen bei denen der Wolf weder bestätigt, noch ausgeschlossen werden kann (C3-unbestätigte Hinweise). Bei den gemeldeten C1-Nachweisen liegt der Anteil der Jäger bei 66,44 %, bei Nicht-Jägern sind es 9,78 % und bei 23,78 % der Meldungen war eine Gruppenzuordnung nicht möglich.

Die Erfahrungen und Ergebnisse zeigen, dass Jäger einen wesentlichen Beitrag zum Wolfsmonitoring in Niedersachsen leisten, obwohl sie nur 0,76 % der niedersächsischen Bevölkerung ausmachen (DJV 2018). Dies ist nicht nur ihrer flächendeckenden Verteilung, sondern auch der existierenden Verbandsstrukturen, der guten Vernetzung vor Ort, sowie dem vorhandenen Vertrauen an die zu berichtende Stelle zu verdanken. Das System in Niedersachsen ist beispielgebend dafür, dass für das Monitoring von konfliktträchtigen Wildtierarten die Einbindung von betroffenen Interessensgruppen eine wesentliche Rolle für eine möglichst vollständige und flächendeckende Dokumentation spielt.

Quellenverzeichnis:

Deutscher Jagdverband e.V. (2018): DJV-Handbuch Jagd, DJV-Service GmbH.

Kojola I, Kuittinen J (2002): Wolf attacks on dogs in Finland.Wildlife Society Bulletin, 30(2):498-501.

Reinhardt I, Kluth G, Kaczensky P, Knauer F, Rauer G, Wölfl S, Huckschlag D, Wotschikowski U (2015): Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland. BfN-Skripten 413, Bonn, Bundesamt für Naturschutz.

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