Reproduktion

Partnersuche

Im Alter von 10 bis 22 Monaten verlassen die meisten Jungwölfe das Elternterritorium um sich ein eigenes Territorium sowie einen Paarungspartner zu suchen. In einigen Fällen bleiben die Jungtiere deutlich länger (4-5 Jahre) in Elternterritorium. Auf der Suche nach einem neuen Territorium können Wölfe große Strecken hinter sich legen, in manchen Fällen sogar mehr als 1000km.

Geschlechtsreif sind die meisten Wölfe ab einem Alter von 2 Jahren. Finden sich Rüde und Fähe in einem geeignetem und freiem Territorium, so kommt es in der Hauptreproduktionszeit – der Ranz – gegen Ende Februar/Anfang März zur Paarung. Anders als bei manch anderen Säugetierarten, findet in dieser Zeit (bei bereits bestehenden Wolfsrudeln) keine Abspaltung der Elterntiere vom restlichen Rudel statt (Schmidt et al. 2007).

Aufzucht der Welpen

Wolfswelpe aus dem Rodewalder Rudel. Zum Aufnahmezeitpunkt war das Tier knapp 4 Monate alt (© Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.)

Die Tragzeit beträgt rund 63 Tage (Seal et al. 1979) und die Welpen werden zwischen Mitte April (19.) und Mitte Mai (12.) geboren (Schmidt et al. 2007). Die durchschnittliche Wurfgröße (Anzahl an geborenen Welpen) variiert von 4,8 bis 7,7 (Sidorovich et al. 2007). Die Geburt findet in einer Höhle statt, dabei handelt es sich um einen Erdbau welcher von den Wölfen selbst, oder früher durch Dachse oder Füchse gegraben wurde. Zum Schutz vor Störung und anderen Gefahren, werden vor der Geburt der Welpen mehrere solcher Baue im Territorium angelegt. Die Welpen verbringen im Durchschnitt 58 Tage im Bau, bevor sie diesen schließlich verlassen. Währenddessen wird der Bau mehrmals gewechselt (durchschnittlich 2,25-mal) (Schmidt et al. 2007). Der Abstand zwischen den genutzten Bauen (im gleichen Jahr) beträgt je nach Quelle zwischen 0,5 und 4,4 km (Schmidt et al. 2007), bzw. 2 und 7 km (Sidorovich & Rotenko 2018).

Der Aktionsradius der tragenden Fähe um den Wurfbau herum beträgt 50 – 10 Tage vor Geburt maximal 5,5 km. In den letzten 10 Tagen beträgt dieser 3,7 km. 10 Tage nach der Geburt beträgt die Distanz nur noch 0,9 km und steigt mit der Zeit wieder an. Zwei Monate nach der Geburt legt die Fähe wieder die üblichen täglichen Distanzen zurück. Unmittelbar vor der Geburt (10 Tage) hält sich die Fähe zu 62% der Zeit in oder am Bau auf. Kurz nach der Geburt beträgt der Wert 85% und sinkt später auf 74% (11 – 30 Tage nach der Geburt), bzw. 65% (31 – 50 Tage nach der Geburt) ab (Schmidt et al. 2007).

Je nach Nahrungsverfügbarkeit, können die Welpen bis 70 Tage nach der Geburt noch gesäugt werden. Ab dem Alter von 20 – 25 Tagen nehmen die Welpen schon Fleisch auf. Die Säugezeit endet zwischen 40 und 60 Tagen nach der Geburt (Sidorovich & Rotenko 2018).

 Erwachsener Wolf mit zwei Welpen (© Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.)

Welpensterblichkeit

Ein durch den Straßenverkehr getöteter Wolfswelpe (© Marcel Holy)

Wolfswelpen reagieren deutlich empfindlicher auf Umwelteinflüsse als ausgewachsene Wölfe, vergleichsweise ist somit die Sterblichkeit in der juvenilen Altersklasse (< 1 Jahr) deutlich höher als bei Individuen der sudadulten (< 2 Jahre) und adulten (> 2 Jahre) Altersklasse. Krankheiten (Staupe, Räude, ...) und Witterungsverhältnisse wirken sich stark auf die Überlebensrate aus. Weitere Gefahren stellen die intraspezifische Konkurrenz (Infantizid, Erdrückung im Bau, …), die interspezifische Prädation (Luchs, Fuchs, …), sowie anthropogene Einflüsse (Straßen-/Bahnverkehr, legale und illegale Tötungen) dar. Von besonderer Bedeutung ist die Versorgung (Nahrung) und Betreuung (Schutz, Wärme) der Welpen durch andere Rudelmitglieder, hierbei sind die Erfahrung, sowie die Anzahl der restlichen Rudelmitglieder entscheidend.

Scott Brainerd et al. (Brainerd, et al. 2008) untersuchte die Mortalitätsrate von Welpen aus bestehenden Rudeln (Elterntiere – Jährlinge – Welpen) in welchen ein Elterntier oder beide Elterntiere getötet wurden, bzw. gestorben sind. Er stellte fest, dass in 84% der Fälle mind. 1 Welpe überlebte. Die Überlebensrate der Welpen war unabhängig vom Geschlecht des verbleibenden Elternteils. Die Anzahl an verbleibenden Wölfen (subadult/adult) hatte einen positiven Effekt auf die Überlebensrate (90% bei mehr als 5 Wölfen, 68% bei 5 oder weniger Wölfen). Das Alter der Welpen zum Zeitpunkt des Elterntierverlusts hatte keinen erkennbaren Effekt auf die Überlebensrate.

Quellenverzeichnis

Brainerd SM, Andren H, Bangs EE, Bradley EH, Fontaine JA, Hall W, Iliopoulos Y, Jimenez MD, Jozwiak EA, Liberg O, Mack CM, Meier TJ, Niemeyer CC, Pedersen HC, Sand H, Schultz RN, Smith DW, Wabakken P, Wydeven AP (2008): The effects of breeder loss on wolves. Journal of Wildlife Management, Wiley 72, 89-98.

Schmidt K, Jedrzejewski W, Theuerkauf J, Kowalczyk R, Okarma H, Jedrzejewska B (2007): Reproductive behaviour of wild-living wolves in Bialowieza Primeval Forest (Poland).

Seal US, Plotka ED, Packard JM, Mech LD (1979): Endocrine correlates of reproduction in the wolf. I. Serum Progesterone, Estradiol and LH during the estrous cycle. Biology of Reproduction 21, 1057-1066.

Sidorovich VE, Stolyarov VP, Vorobei VV, Ivanova NV, Jedrzejewska B (2007): Litter size, sex ratio, and age structure of gray wolves, Canis lupus, in relation to population fluctuations in northern Belarus. Canadian Journal of Zoology 85, 295-300.

Sidorovich VE, Rotenko I (2018): Reproduction biology in grey wolves Canis lupus in Belarus: Common beliefs versus reality. Chatyry Chverci.

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