Nutztierschäden in Niedersachsen

Vom Wolf gerissenes Schaf (© Marcel Holy)

Die jahrzehnte lange Abwesenheit großer Beutegreifer hat Schutzmaßnahmen gegen den Wolf in Vergessenheit geraten lassen. Seine Rückkehr verläuft nicht konfliktfrei: Nutztiere können für Wölfe leichte Beute darstellen, was eine besondere Herausforderung für Nutztierhalter mit sich bringt.

In Niedersachsen sind neben Übergriffen auf Schafe oder Gatterwild auch Risse von Rindern oder Pferden bekannt. Die Richtlinie Wolf vom niedersächsichen Umweltministerium regelt die Förderung zur Erstellung eines wolfsabweisenden Grundschutzes bei Nutztieren, sowie den Billigkeitsleistungen zum Schadensausgleich, die im Falle eines nachgewiesenen Wolfsübergriffes vom Land gewährt werden. Die Billigkeitsleistungen erfolgen für Schafe, Ziegen und Gatterwild nur dann, wenn der Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde und die Tiere nachweislich durch einen wolfsabweisenden Grundschutz geschützt wurden. Ein wolfsabweisender Grundschutz bietet nie eine hundertprozentige Sicherheit, doch die Erfahrung zeigt, dass sich wolfsabweisende Maßnahmen als Schutz gegen Wölfe in den meisten Fällen bewähren.

Zuständig für die Berbeitung und Bewertung von Nutztierschäden, wie auch für den Herdenschutz ist das Wolfsbüro des Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Die Niedersächsische Landwirtschaftskammer ist für die Gewährung von finanziellen Unterstützungen für Präventionsmaßnahmen sowie Billigkeitsleistungen im Schadensfall verantwortlich.

Verteilung der Nutztierschäden

Übergriffe auf Nutztiere bei denen der Wolf amtlich vom NLWKN als Verursacher festgestellt wurde, finden mittlerweile in fast komplett Niedersachsen statt, lediglich der Süden ist noch wenig betroffen. Die folgende Karte basiert auf den amtlichen Feststellungen des NLWKN (weitere Informationen) und zeigt auf Landkreisebene alle Nutztierschäden seit 2008, bei denen der Wolf als Verursacher festgestellt wurde.

Stand: 06.08.2020
Darstellung: © Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Quelle(n): MU/NLWKN, Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Schadenstabelle

Alle in Niedersachsen gemeldeten Nutztierschäden werden amtlich vom NLWKN dokumentiert und bewertet. Eine Übersicht aller gemeldeten Nutztierschäden bei denen der Wolf als Verursacher vermutet wurde, ist in der folgenden Schadenstabelle zusammengefasst.

Entwicklung der Nutztierschäden in Niedersachsen

Im folgenden Diagramm wird die Entwicklung aller durch den Wolf verursachten Nutztierschäden in Niedersachsen dargestellt. Dabei werden die Anzahl an Übergriffen und die Anzahl an getöteten, bzw. später eingeschläferten Tieren nach Monitoringjahren angezeigt.

Stand: 06.08.2020
Darstellung: © Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Quelle(n): MU/NLWKN, Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Entwicklung im Jahresverlauf

Bei den vom Wolf verursachten Nutztierschäden in Niedersachsen ist eine gewisse Periodizität erkennbar. Die meisten Übergriffe finden in den Herbst- und Wintermonaten statt, in Frühjahr und Sommer sind es weniger. Ein mögliche Erklärung hierfür ist die Biologie des Wolfs und die Nahrungsverfügbarkeit: Zur Wurfzeit im Mai verringert sich die Streifgebietsgröße der Wölfe, welches dazu führt, dass weniger Nutztiere verfügbar sind. Zudem gibt es bei vielen anderen Wildtieren auch Nachwuchs, dieser ist für den Wolf leichter zu erbeuten als adulte Tiere. Gegen den Herbst hin werden die Wölfe wieder mobiler, die Streifgebiete vergrößern sich und die jungen Wildtiere sind durch ihr rasantes Wachstum auch keine leichte Beute mehr, somit stellen leicht verfügbare Nutztiere eine attraktivere Alternative dar.

Stand: 06.08.2020
Darstellung: © Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Quelle(n): MU/NLWKN, Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Bewertung von Nutztierschäden

Die Bewertung der Verursacherschaft von Nutztierschäden ist der zuständigen Behörde - dem Wolfsbüro des NLWKN - vorenthalten, das Wolfsmonitoring der LJN ist hierbei nicht eingebunden. Gemeldete Nutztierschäden werden beim NLWKN in 4 unterschiedliche Kategorien eingestuft:

  • Wolf: Wolf eindeutig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit als Verursacher nachgewiesen
  • Wolf nicht nachweisbar: Wolf kann nicht als Verursacher nachgewiesen werden und ist mit gewisser Wahrscheinlichkeit auszuschließen
  • kein Wolf: Wolf ist eindeutig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit als Verursacher auszuschließen
  • keine Beurteilung möglich: anhand der vorliegenden Dokumentation ist keine abschließende Bewertung möglich

Bislang wurden 1327 Nutztierschäden (Stand: 06.08.2020) im Rahmen des niedersächsischen Wolfsmanagement und -monitoring dokumentiert.

  

Stand: 06.08.2020
Darstellung: © Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Quelle(n): MU/NLWKN, Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Räumliche Entwicklung in den letzten Jahren

Wie bereits oben ersichtlich, steigt die Anzahl an durch den Wolf verursachten Nutztierschäden jährlich an. Dies steht im Zusammenhang mit der anwachsenden Wolfspopulation. Betrachtet man nicht nur die zeitliche, sondern auch die räumliche Verteilung der Nutztierschäden, so wird ersichtlich, dass ein jährliche Verschiebung der Ereignisse stattfindet - vor allem bei den Schwerpunktregionen.

Monitoringjahr 2012/2013
Monitoringjahr 2013/2014
Monitoringjahr 2014/2015
Monitoringjahr 2015/2016
Monitoringjahr 2016/2017
Monitoringjahr 2017/2018
Monitoringjahr 2018/2019
Monitoringjahr 2019/2020
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